Und was das für unsere Arbeit und die freie Kultur in Halle bedeutet
Die Stadt Halle befindet sich aktuell in der vorläufigen Haushaltsführung. Das bedeutet: Solange kein rechtskräftig beschlossener Haushalt vorliegt, dürfen nur gesetzlich verpflichtende Ausgaben getätigt werden. (Neue) Freiwillige Leistungen sind grundsätzlich nicht möglich. Bereits beschlossene Förderungen können erst dann ausgezahlt werden, wenn die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Diese Situation ist kein politischer Einzelakt, sondern Folge struktureller kommunaler Finanzprobleme: steigende Pflichtaufgaben, angespannte Einnahmesituation und ein nicht rechtzeitig verabschiedeter Haushalt.
Für die freie Kultur und damit auch konkret für uns ergeben sich daraus mehrere unmittelbare Konsequenzen. Konkret ist es so, dass es für viele freie Träger inzwischen keine Phase der „Unsicherheit“ mehr ist, sondern eine existenzielle Krise.
Wen betrifft die aktuelle Lage?
Akut betroffen sind vor allem:
- freie Träger der Kinder- und Jugendarbeit
- Einrichtungen der Sozialarbeit
- projektbasierte und freie Akteur:innen in der freien Kultur
- gemeinnützige Initiativen mit jährlich neu zu bewilligenden Förderungen
Diese Bereiche finanzieren Personal, Mieten und laufende Kosten über über Zuwendungen, die nun fehlen oder nicht rechtssicher vorliegen.
Bleiben diese aus, können Gehälter nicht gezahlt, Verträge nicht verlängert und Standorte nicht gehalten werden. Gemeinnützige Träger verfügen nicht über große Rücklagen. Mehrere Monate ohne Gelder durch die Stadt zu überbrücken, lassen sich nicht „aussitzen“. Erste Kündigungen und Schließungen sind bereits Realität.
Hinzu kommt: Viele Projekte funktionieren nur, weil städtische Mittel weitere Gelder von Land oder Bund auslösen. Fällt der kommunale Anteil weg oder ist nicht nachweisbar, brechen ganze Finanzierungsketten zusammen. Dann geht es nicht um tausende Euro, sondern um ein Vielfaches. Auch wir und viele andere Vereine, Projekte und Initiativen der freien Kultur sind betroffen.
Diese Strukturen die bereits teilweise über lange Jahre aufgebaut wurden, sind nicht austauschbar.
Wenn ein Jugendtreff schließt, fehlt Jugendlichen ein verlässlicher Ort. Wenn ein soziokultureller Raum aufgibt, verschwindet Infrastruktur für Initiativen, Künstler:innen und Veranstaltende wie wir. Wenn Personalstellen wegfallen, geht Expertise verloren, die über lange Jahre mühsam aufgebaut wurde.
Wer jetzt Strukturen abbaut oder deren Abbau in Kauf nimmt, entscheidet aktiv darüber, wie offen, sozial und vielfältig diese Stadt in Zukunft sein wird.
Wir erklären uns solidarisch mit allen freien Trägern in Jugendhilfe, Sozialarbeit, Bildung, Sport und freien Kultur.
Die aktuelle Lage betrifft die Infrastruktur dieser Stadt in existenziellem Ausmaß,
das wir nicht einfach hinnehmen können.
Es geht um Arbeitsplätze. Es geht um Schutzräume für junge Menschen. Es geht um kulturelle und soziale Vielfalt und Teilhabe in Halle.
Unser Appell
Wir rufen Politik und Verwaltung dazu auf, die Folgen der aktuellen Haushaltslage nicht allein als verwaltungstechnisches Problem zu behandeln.
Es geht um Arbeitsplätze.
Es geht um Schutzräume für junge Menschen.
Es geht um kulturelle Infrastruktur.
Es geht um die demokratische und soziale Stabilität dieser Stadt.
Strukturen, die jetzt verloren gehen, kommen nicht automatisch zurück.
Deshalb gehen wir gemeinsam auf die Straße.
am 25.02.2026 13:00 auf dem Marktplatz Halle
Denn ohne freie Jugend-, Sozial- und Kulturarbeit verliert Halle Orte der Begegnung, Teilhabe, Schutzräume, Räume für Vielfalt und Stimmen für demokratische Auseinandersetzung: Halle verliert Engagement, Miteinander und gelebte Demokratie im Alltag.

